Google’s mod_pagespeed – erster Praxis-Test

Die Ladegeschwindigkeit einer Seite liegt Google ja bekanntlich sehr am Herzen. Die Google-Gründer wollen das Internet laut eigenen Angaben so schnell machen wie das Umblättern in einer herkömmlichen Zeitung. Nicht umsonst sind bisher etliche Grundlagenartikel sowie ein Analyse-Tool für den Firefox unter der Regie von Google erschienen. In Chrome ist sogar ein sehr nützliches Werkzeug zum Messen der Ladegeschwindigkeit der Komponenten einer Website schon fest eingebaut. Ein Zeichen, wie ernst es ihnen ist.

Und auch wenn immer noch spekuliert wird, ob die Ladegeschwindigkeit nun schon einen Einfluss auf das Ranking hat oder nicht – empirische Analysen haben gezeigt, dass besonders bei großen Websites eine Verringerung der Ladezeit tatsächlich die Indexierungstiefe erhöht, weshalb die Ladegeschwindigkeit nicht mehr länger nur eine Sache der Usability und performance-liebenden Entuisiasten ist. Es ist ein tatsächlicher Faktor im SEO, den man nicht länger ignorieren sollte.

Heute hat nun Google noch eins draufgesetzt und für den Apache Webserver ein Modul namens mod_pagespeed veröffentlicht, das mehr oder weniger „out of the box“ für bis zu 50% schnellere Ladezeiten sorgen soll. In manchen Fällen sogar noch mehr. Ein leeres Versprechen – oder ist da tatsächlich etwas dran? Wir haben natürlich gleich mal die Probe aufs Exempel gemacht…

Die Testsituation

Verwendet wurde ein Root-Server bei Strato. Dort werden drei Websites mit unterschiedlichen Domains von einer zentralen Apache-Instanz beschickt. Eine der Websites ist ein ziemlich modifizierter OsCommerce MS2, die anderen beiden sind WordPress-Installationen in jeweils aktueller Version, mit sehr unterschiedlichen Templates und unterschiedlichen Plugins.

Der Aufbau der Seiten war wie folgt (alle Zahlen in kB):

Website Documents Stylesheets Images Scripts Total
OsCommerce 44,23 2,64 133,28 17,93 198,07
WordPress 1 31,60 22,50 211,60 167,10 432,89
WordPress 2 42,88 69,37 41,51 242,50 396,25

Das mod_pagespeed-Plugin wurde in der 32bit-Version für Ubuntu als Package heruntergeladen, installiert, mit den Grundeinstellungen konfiguriert und der Apache anschließend neu gestartet. Ein phpinfo() zeigte auch, dass das Modul geladen war und das Caching-Verzeichnis des Plugins wurde im Laufe der Tests erfolgreich mit Dateien gefüllt, d.h. die Funktion war gegeben.

Die Testdurchführung

Vor jedem Request wurde der Browser-Cache gelöscht, um lokale Caching-Effekte zu eliminieren. Zudem wurden 5 Requests gemacht und daraus der Mittelwert gebildet, um mögliche, vorübergehende Lastspitzen des Servers zu eliminieren. Extreme Abweichler vom Mittelwert wurden gelöscht und der Request wiederholt, da die Maschine nicht die performanteste ist und zufälligerweise stattfindende, massiv parallel Zugriffe durchaus deutlich spürbar sind.

Das Ergebnis

Das Ergebnis war überraschend (alle Zahlenangaben in ms):

OsCommerce Latenz Documents Stylesheets Images Scripts Total
Vorher 728 931 998 7.272 3.832 8.176
Nachher 789 1.020 1.045 1.976 2.172 4.380
Differenz -61 -89 -47 5.296 1.660 3.638
Veränderung -8% -10% -5% 73% 43% 44%
WordPress 1 Latenz Documents Stylesheets Images Scripts Total
Vorher 728 1.342 395 2.302 2.564 6.072
Nachher 1.222 1.222 379 3.024 3.004 6.036
Differenz -494 120 16 -722 -440 36
Veränderung -68% 9% 4% -31% -17% 1%
WordPress 2 Latenz Documents Stylesheets Images Scripts Total
Vorher 1.832 1.832 2.134 2.736 4.44 6.886
Nachher 1.914 1.912 2.100 2.920 4.14 7.126
Differenz -82 -80 34 -184 -60 -240
Veränderung -4% -4% 2% -7% -1% -3%

Das Ergebnis ist also durchwachsen.

Die Website mit OsCommerce erlebte gerade im Bereich der Bilder einen deutlich spürbaren Performance-Zuwachs, wohingegen die WordPress-Websites nahezu unverändert blieben.

Die Interpretation

Auch wenn für eine Website mit einfachen Mitteln (Installation und Konfiguration alles in allem rund 10 Minuten) ein überwältigender Effekt erzielt werden konnte, darf das wohl nicht verallgemeinert werden. Gerade im Bereich der Latenzen ist sogar durchweg eine längere Ladezeit zu sehen und diese wird nur durch mögliche Einsparungen bei den einzelnen Komponenten der Website wettgemacht. Ob dies am Anteil der einzelnen Komponenten, am Aufbau der WordPress-Websites, an einer eventuell noch nicht optimalen Konfiguration oder eventuell sogar an einem noch nicht ganz ausgereiften Plugin liegt – diese Frage können nur weitere Tests und eine bessere Dokumentation des Plugins zu Tage fördern.

Zudem kann sicher die Testsituation noch weiter optimiert werden, indem ein dedizierter Testserver verwendet wird, der keine andere Aufgabe hat, als die Testabrufe zu bedienen, um so auch die letzten Effekte multipler Zugriffe zu eliminieren. Allerdings waren die Test-Websites wenig frequentiert, so dass das Ergebnis als hinreichend genau und vor allem tatsächlich praxisbezogen angesehen werden dürfte.

Als Fazit kann man jedenfalls sagen, dass es nach momentanem Wissensstand durchaus einen Versuch wert ist. Wenn wie im Falle der OsCommerce-Website mit nur 15 Minuten Arbeit satte 44% Ladezeit eingespart werden können, ist das beeindruckend. Und wenn hingegen wie im Fall der beiden WordPress-Websites zumindest keine deutlich spürbare Verschlechterung eintritt, kann man es immerhin als kleine praktische Übung sehen und das Plugin sehr einfach wieder deaktivieren und deinstallieren.

Die Diskussion

Gerne sind andere Webmaster eingeladen, hier Ihre eigenen praktischen Erfahrungen zu hinterlassen und über das Plugin sowie weitere Techniken zur Performance-Steigerung zu diskutieren!

abgelegt unter: SEO

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11 Comments

Google’s mod_pagespeed für den Apache | WPO - Web Performance Optimierung

[…] nachziehen bleibt abzuwarten.Erster PraxistestDen ersten Praxistest zu mod_pagespeed hab ich bei Online Solutions Group gefunden. Der Artikel ist auf jeden Fall lesenswert. Jedoch sollte man noch einige andere Tests […]

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Thomas Hey'l

Hallo!

Das klingt nach einem vernünftigen ersten Test des Moduls.
Aus meiner Sicht mag es für manche Aufgabenstellungen nützlich sein. Wenn jedoch von Hand schon optimiert wurde, was geht, könnten die höheren Latenzzeiten ein Nachteil sein.

Freundliche Grüße, Thomas

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Markus

Hallo Thomas,

sehe ich auch so. Das Modul scheint besonders bei Bildern gut was aufzuholen – mein getesteter OsCommerce ist da bei weitem nicht optimal, weil ich dort redaktionell nichts mache, wohingegen ich bei den beiden WordPresses schon darauf achte, sehr optimierte Bilder zu verwenden.

Aber wie gesagt: einen Versuch ists allemal wert. Ist ja schnell installiert und wieder deinstalliert.

Cheers,
Markus

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René

Hm, habe ich das Ergebnis falsch interpretiert oder hat sich bei allen 3 Varianten die Latenz nachteilig verändert? Frage deshalb, weil ich bisher davon ausging, je kleiner der Wert, desto besser. Dies stünde aber im Unterschied zu den nachfolgenden Prozentangaben, die alle eine Reduzierung aufzeigen.

Oder sollte man es so lesen, dass sich die Latenz um z.B. 8% beim ersten Ergebnis verschlechtert hat?

Vielen Dank im Voraus.

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Kai

Hey Markus,
klasse Test vielen Dank! :)
Hab deinen Beitrag gerade via Google gefunden und nun spare ich mir die Installation des mods wohl, da ich ausschließlich WordPress-Installation damit beschleunigen wollte.
Bei osCommerce ist der Performancezuwachs ja wirklich stark :)
Mal sehen ob sich das Plugin weiterentwickelt und irgendwann doch interessant wird.

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Markus

Hallo René,

in der Tat ist die Latenz bei allen drei Tests erst mal höher. Was auch Sinn macht, weil das Plugin erst mal entscheiden muss, ob und was es optimiert ausliefern kann. Gerade beim OsCommerce gabs aber offenbar so viel Potential für Optimierungen beim Ausliefern selbst, dass die insgesamte Ladezeit trotz der erst mal höheren Wartezeit deutlich geringer ausfiel.

Cheers,
Markus

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Wolfsrudel

Ich würde einfach auf nginx + php-fpm umsteigen und schon hat man einen Performanceschub, der seines gleichen sucht. Apache2 ist doch nur noch ein Performancekiller.

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Backlink Butler

Wow, wenn das wirklich so sein sollte, wäre dies eine drastische Verbesserung. Aber warum sollte dies tatsächlich seo-relevant sein?

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Paul Czickus

Ich habe schon länger mit bekommen, dass langsame Ladezeiten das Google Ranking wirklich schlecht beeinflussen können. Da ist wirklich was dran, dass die Google Verantwortlichen schnelle Ladezeiten von Webseiten bevorzugen. Das ist wohl einer von vielen Rankingfaktoren jetzt im Jahr 2013, den man nicht ausser Acht lassen sollte beim Optimieren der Webseite.

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