Googles Knowledge Graph-Karussell nimmt allmählich Fahrt auf

Google Karussell nimmt Fahrt auf Google wandelt sich immer mehr von einer Suchmaschine, die den Suchtraffic „nur“ auf relevante Seiten im World Wide Web weiterleitet, hin zu einem Portal, dass viele Fragen bereits selbst beantwortet – und dabei entsprechend viel Aufmerksamkeit auf der ersten Suchergebnisseite für sich in Anspruch nimmt. Die normalen Suchresultate rutschen dadurch in gewissen Fällen sogar „below the fold“. Hier einige Beispiele für die neue Karussell-Ansicht. 

Gut für Google, schlecht für Website-Betreiber

Eine Suche nach „Robert de Niro Filme“ bringt einen Slider – von Google Karussell-Darstellung genannt – direkt unterhalb des Suchfelds zum Vorschein, den man so auch von der Suche nach lokalen Orten kennt (allerdings nur in den USA). Dieser nimmt die gesamte Breite des Browser-Fensters ein und reiht von links nach rechts diejenigen Filme mit Cover-Bild und Erscheinungsjahr aneinander, in denen Oscar-Preisträger Robert de Niro in seiner langen Filmkarriere als Schauspieler mitgewirkt hat. Klickt man am rechten Rand auf den Pfeil, setzt sich das Google-Karussell in Bewegung und weitere Filme werden präsentiert. Über einen Filter oberhalb des Sliders lässt sich die Reihenfolge der Darstellung ändern. Möchte man sich die beliebtesten Filme von de Niro zuerst anzeigen lassen, wählt man „Beliebteste zuerst“, will man nur Informationen zu den neuesten Movies, ist „Neueste zuerst“ die richtige Wahl und wer Filme des frühen de Niros schätzt, sollte „Älteste zuerst“ klicken.

Robert de Niro Filme

Bei einem Klick auf eines der Cover-Bilder ändert sich die ursprünglich gestellte Suchanfrage ebenso wie die SERPs, das Karussell aber bleibt. Unter Umständen muss ich mich als Suchender nun gar nicht mehr durch die unterhalb angezeigten Suchtreffer wie Filmdatenbanken oder -lexika klicken, weil ich die gewünschte Information von Google bereits erhalten habe. Gut für die Suchmaschine und den Suchenden, der sich so Zeit spart und über eine tolle User Experience freuen darf, schlecht für Website-Betreiber, die in diesem konkreten Fall deutlich an Besuchern verlieren werden.

Ein weiteres Beispiel: Interessiere ich mich für „Sehenswürdigkeiten München“, liefert Google folgendes Ergebnis. Auch hier werden die wichtigsten interessanten Orte Münchens prominent mit einer dicken schwarzen Umrandung unterhalb des Suchschlitzes angezeigt:

München Sehenswürdigkeiten Google

Ganz hundertprozentig scheint diese Darstellungsform in der Praxis aber noch nicht zu funktionieren. Bei der Suche nach „Goethe Bücher“ beispielsweise erscheint ein falsches Cover.

Werke von Goethe bei Google

Sucht man nach „Heinrich Mann Bücher“ listet Google in seinem Karussell nur fünf Werke des deutschen Schriftstellers auf.

Heinrich-Mann-Werke-Google

Dabei hat der  ältere Bruder von Thomas Mann der Nachwelt deutlich mehr Werke hinterlassen. Hier scheint es noch an der Verknüpfung zwischen Personen, Objekten und Fakten zu haken. Warum erscheint zudem bei dem Verführungsroman „Zwischen den Rassen“ kein Cover-Bild, obwohl die Wikipedia hier eines zur Verfügung stellen würde?

Außerdem ist Google noch nicht so intelligent, dass das Karussell auch bei „Heinrich Mann Werke“ anspringen würde, obwohl „Werke“ und „Bücher“ eigentlich Synonyme sind.

Die Karussell-Ansicht funktioniert auch bei der Suche nach Sportteams: „FC Augsburg Team“.

FC Augsburg Team Google

 

Hier fällt auf, dass Google noch Spieler wie Ja-Cheol Koo, Dong-Won Ji oder Simon Jentzsch als Aktive präsentiert, obwohl sie nicht mehr für den Verein spielen. Jentzsch beispielsweise hat sein Karriereende bereits Mitte Mai 2013 bekanntgegeben. Andererseits ist Google bei der Integration der Neuzugänge ins Karussell deutlich schneller, wie das Beispiel des Anfang Juli zum Schwabenklub gewechselten Ex-Schalkers Halil Altintop zeigt.

Knowledge Graph – Antworten auf Fragen liefern

Die oben dargestellte Karussell-Ansicht bei der Suche nach Personen, Orten und Sportteams, die auch auf Tablets und Smartphones existiert, ist Teil des sogenannten Knowledge Graph von Google, den die Suchmaschine selbst als eine „Revolution in der Websuche“ bezeichnet. Dieser verbindet Millionen Personen, Orte und Dinge, die durch Milliarden Eigenschaften miteinander verknüpft sind.

Tina Turner Knowledge Graph

Für die Suchmaschine sind Suchbegriffe somit nicht mehr nur Wörter (die in einer bestimmten Dichte auf einer Webseite zu stehen haben, damit diese als relevant für die entsprechende Suchanfrage eingestuft wird), sondern Objekte, die in Relation zueinander stehen. Google reichert Suchergebnisse so mit zusätzlichen Informationen an, bietet umfangreiche Listen und Sammlungen sowie Links zu weiterführenden Suchen an. So können laut Google Themen schneller und tiefgründiger recherchiert werden als je zuvor. Außerdem erhalte man Antworten auf Fragen, die einem noch gar nicht in den Sinn gekommen seien. Fernziel ist der Aufbau eines „semantische Webs“, das einem Suchenden eines Tages eine genaue Antwort auf eine konkrete Frage liefern soll.

Dabei ermittelt die Suchmaschine die im Knowledge Graph anzuzeigenden Attribute einer Person (Alter, Größe, Verheiratet mit, Filme etc.) oder eines Objekts aus den bisher gestellten Anfragen von Suchenden. Wurde in der Vergangenheit zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Person häufig nach deren Größe gesucht, wird Google diese als eine wichtige Information erachten und im Knowledge Graph anzeigen – bei einer anderen Person hingegen, bei der die Größe unter Umständen von geringerem Interesse ist, nicht. Für ein und dasselbe Objekt können im Knowledge Graph also unterschiedliche Attribute erscheinen. Dabei bedient sich Google der Wikipedia, anderer öffentlicher Informationsquellen sowie eigener Dienste, um kompakte Informationen zu einer Suchanfrage zu liefern.

Hier ein Video, in dem Mitarbeiter von Google die Funktionsweise des Knowledge Graph erläutern:

Karussell-Darstellung noch relativ selten

Die Karussell-Darstellung funktioniert in Deutschland derzeit noch bei relativ wenigen Suchphrasen, doch das Knowledge-Graph Karussell nimmt allmählich Fahrt auf.  Für SEOs und Onlineshop-Betreiber ändert sich dadurch erst einmal nicht viel. Denn zu kommerziell interessanten Begriffen wie „Rasenmäher“ oder „Damenschuhe“ spielt Google weiterhin die gewohnten AdWords-Anzeigen und organischen Treffer aus.

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