Google MayDay Update und die Folgen

Nun ist es offiziell. Google-Sprachrohr Matt Cutts hat in einem Video bestätigt, dass die Ursache für ein Anfang Mai von vielen Website-Betreibern beobachtetes und deshalb „MayDay“ getauftes Phänomen eine permanente Änderung des Google-Algorithmus ist. Betroffen sind durchweg die sogenannten „Long Tail Queries“, also Suchvorgänge, bei denen nach mehr als zwei oder drei Worten gesucht wird.

Vierlerorts las man von klagenden Webmastern, die plötzlich bis zu 40% weniger Traffic verzeichneten. Was nicht wundert, wenn man sich vor Augen führt, dass dieser ganze Long Tail bei vielen Projekten für mehr als die Hälfte der Besucherzahlen verantwortlich ist. Denn die Konzentration auf die wichtigsten generischen Keywords ist ja immer nur eine Seite der SEO-Medaille – oftmals muss man einfach realistisch genug sein, dass ein Platz 1 für „Handy“, „Versicherung“,  „Immobilien“ oder ähnlich hochkonkurrente Keywords nun mal ein sehr, sehr langfristiges Ziel ist, bis zu dessen Erreichen man eben auf spezielle Nischen und den Long Tail angewiesen ist.

Ist diese Taktik nun also passé? Haben nur noch die renommierten Websites mit ihrer nahezu uneinholbaren Autorität eine Chance auf hohe Besucherzahlen?

Nein. Absolut nicht. Auch in Zukunft kann jede Website auf den Long Tail bauen. Allerdings ist natürlich in manchen Fällen ein wenig Umdenken nötig.

Herzstück der Änderung ist eine Neubewertung der „Qualität“ einer Seite für Suchanfragen mit mehreren Worten. Ohne zu tief in die Details zu gehen, die andernorts bereits zur Genüge diskutiert wurden – generell darf man annehmen, dass es für Seiten mit böse gesagt „lieblosem“ oder nicht wirklich die Such-Intention treffenden Inhalt schwerer wird, die nun geforderte Qualität für vorderste Plätze zu erreichen. Reichte es vormals oft, beispielsweise nur ein Datenblatt eines Produkts zu reproduzieren, um beispielsweise für „humax icord hd epg aktualisieren“ gut platziert zu sein, selektiert der neue Algorithmus bevorzugt Seiten, in denen konkrete Anleitungen für diese Aufgabe enthalten sind. Oder Seiten, in denen User über das Thema diskutieren. Auch wenn diese von ansonsten schwachen Websites stammen.

Jedoch – wenn man diese Änderung ganz objektiv betrachtet, ist sie doch durchaus fair. Jeder von uns stellt selbst derartige Anfragen an Google und ist frustriert, wenn man erst nach dem 12ten Klick auf ein Ergebnis tatsächlich auch die Antwort findet, die man eigentlich gesucht hat, weil sich auf den vordersten Plätzen – nun ja, „schlechte“ Ergebnisse tummeln.

Was ist aber nun ein „gutes“ Ergebnis im Sinne des neuen Google-Algorithmus?

Die Antwort hierauf ist vielschichtig und sehr spezifisch, weshalb es wohl keine allgemein gültige Formel geben wird, mit der man ein einfaches Rezept aufstellen kann. Je nach Vertical und der verschiedenen Intentionen der Suchenden kann das von konkreten Schritt-für-Schritt-Anleitungen über Linksammlungen und Content-Aggregationen bis hin zu spezifischen Videos reichen. In jedem Fall wird die Strategie aber individuell sein müssen.

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg im „neuen“ Long Tail wird aber darin liegen, seine Besucher besser zu verstehen und ihre Bedürfnisse spezifischer, aber auch breitgefächerter zu bedienen. Basis hierfür ist somit die umfangreichere Analyse der existierenden Besucherströme und ihre Bewegung innerhalb der Website – und darauf aufbauend die kreative Entwicklung neuer Inhalte und Strukturen.

Für viele endet hier das „Zuständigkeitsgebiet“ dessen, was man klassischerweise als Suchmaschinenoptimierung bezeichnet. Und das stimmt auch in gewissem Maße. Denn SEO wird immer weniger nur einfach eine Dienstleistung sein, die man beauftragt und dann werkeln ein paar Gurus in ihren Hinterzimmerchen. Modernes SEO muss ein Teil der Unternehmensprozesse werden und zumindest im Marketing und in der IT gut verwurzelt sein. Wenn darüber hinaus noch Vertrieb und ggf. Herstellung ebenfalls mit im Boot sind, umso besser. Jede Abteilung kann eine Menge interessanten Inhalt zu einer Website beitragen, der Besucher nicht nur anlockt, sondern auch ihre Fragen beantwortet und somit deren allgemeine Zufriedenheit mit einem Produkt oder einer Marke erhöht – und SEO muss als unternehmensweite Triebfeder koordinierend dazwischenstehen.

Dieser Überzeugung war nicht nur ich bereits Ende 2008, also dass modernes SEO sich viel mehr in Richtung des allgemeinen Internet Marketings orientiert, da die ehemals rein technischen Tricks und Kniffe immer weniger den alleinigen Ausschlag für gute Rankings geben. Und das aktuelle MayDay-Update mit seiner Konsequenz für die Wichtigkeit der tatsächlichen Inhalte und der Rückbesinnung auf die Grundlagen des Marketings zeigt recht deutlich, dass der Trend wirklich in diese Richtung geht.

Welche Ansätze es nun konkret gibt, diese ganze Theorie umzusetzen, tatsächlich „bessere“ Websites zu entwickeln, die sich mehr an den Interessen und Bedürfnissen der Besucher orientieren und wie ein Suchmaschinenoptimierer hierbei hilft – nun, hierfür würde ich gerne auf meinen Vortrag nächsten Donnerstag im Rahmen unseres Solutions Day hinweisen, wo ich genauer auf diese ganze Thematik eingehen werde.

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2 Comments

Gilly

Danke für die Ausführliche Erklärung. Ich interpretiere dies so, dass es speziell für Blogs mit Mischcontent nun schwieriger wird z.b. mal ein gutes Ranking mit einem Testbericht zu landen.

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Markus

Nicht notwendigerweise. Gerade Blogs, Foren und sonstiger UGC scheinen im Long-Tail jetzt noch ein wenig besser abzuschneiden. Einer meiner Blogs rankt beispielsweise für das doch etwas komische Long-Tail-Keyword „baby 3 monate fallot tetralogie darf man in urlaub fliegen“ auf Platz 2 (nicht, dass mir dieses Key was brächte, aber interessant ist es allemal). Mehr Probleme sehe ich da beispielsweise für Reiseseiten, die für jede Destination einfach eine Seite mit 4 halbwegs unique Sätzen angelegt haben und damit früher gut platziert wurden.

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