Bald 100 % not provided? Was Sie als Webmaster jetzt wissen sollten

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Nachdem Google Webmastern und SEOs vor einigen Wochen mit dem Google AdWords Keyword-Tool bereits einer Möglichkeit beraubt hat, einfach und unkompliziert an Suchvolumen-Daten zu kommen, nun der nächste Schock: Seit September läuft jede Suchanfrage, die ein Nutzer bei Google eintippt, über eine gesicherte https-Verbindung. Die Folge: In Webanalyse-Tools wie Google Analytics ist in den organischen Suchmaschinen-Reports nicht mehr ersichtlich, über welche Stichwörter ein Besucher auf eine Seite kam (not provided). Bei der Optimierung von Webseiten und der Erfolgsmessung müssen daher neue Wege beschritten werden.

not provided Google Analytics

Auf Nachfrage von Danny Sullivan (Searchengineland-Blog) gab die Suchmaschine als  Grund für die Verschlüsselung bekannt:

“We want to provide SSL protection to as many users as we can, in as many regions as we can — we added non-signed-in Chrome omnibox searches earlier this year, and more recently other users who aren’t signed in. We’re going to continue expanding our use of SSL in our services because we believe it’s a good thing for users….”

Es werden also nicht mehr nur die Keyword-Daten der eingeloggten User verschleiert, sondern auch von denjenigen, die nicht in ihr Google-Konto eingeloggt sind. Der Trend geht in Richtung 100 % not provided. Nur wer bezahlte Werbung über Google AdWords schaltet, bekommt nach wie vor alle Zahlen auf den Tisch.

not provided Chart

Man kann es drehen und wenden wie man will, Fakt ist: Google dreht den kostenlosen Daten-Hahn immer weiter zu. Als Webmaster  bleibt einem nichts anderes übrig, als sich an die neue Situation anzupassen. Neu ist das nicht, man denke nur an die vielen Algorithmus-Änderungen und Updates in der Vergangenheit.

Warum verschleiert Google die Daten?

Google argumentiert mit dem Datenschutz und auch die Diskussion um die NSA-Abhöraktion und die Rolle des Branchenführers hierbei dürften das ihrige dazu beigetragen haben. Wieso Datenschutz? Wenn Personen in einer Suchmaschine nach etwas suchen, dann werden die Suchterme, mit denen eine Website gefunden wurde, an diese weitergegeben. Sucht jemand im Web beispielsweise nach „roten Damenschuhen“ und klickt dann auf das Suchergebnis von Zalando, weiß Zalando, dass dieser Besucher sie via Google über den Suchbegriff „rote Damenschuhe“ gefunden hat.

Historie des schleichenden Keyworddaten-Verlusts

Nachfolgend ein kurzer Rückblick, wie es zu dem allmählichen Verlust der Referrer-Keywords kam:

  • Juli 2012: Firefox integriert in seiner neuesten Version die HTTPS/SSL-Suche als Standard im Browser.
  • Januar 2013: User, die Chrome 25 nutzen, werden gezwungen, über eine gesicherte Verbindung im Internet zu suchen.
  • September 2013: Google zwingt peu à peu allen Suchenden SSL auf.

 

Welche Alternativen zu „not provided“ gibt es?

  • Webmaster-Tools: In den Webmaster-Tools gibt es die Möglichkeit, sich die Keywords anzeigen zu lassen, die organischen Traffic auf die eigenen Seiten gebracht haben. Das Problem dabei: Mit diesen Daten lassen sich keine Konversionsraten ermitteln oder wie viele Käufe durch ein bestimmtes Keyword generiert wurden. Außerdem haben die Webmaster-Tools Daten folgende Nachteile: Es lassen sich nur die Daten der letzten 30 Tage ziehen und es werden nicht alle Suchanfragen angezeigt.
  • Google AdWords: Zahlende Kunden bei Google AdWords bekommen nach wie vor Traffic-Daten zu Suchanfragen angezeigt. Wenn Sie also noch keine AdWords-Kampagne am Laufen haben, sollten Sie spätestens jetzt damit beginnen. Als SEM-Agentur sind wir Ihnen gerne dabei behilflich.
  • Landingpages: Auch wenn Google die Daten auf Keyword-Ebene gekappt hat: Wie viele Besuche eine bestimmte URL erhalten hat, lässt sich nach wie vor ermitteln. Und da bei einer SEO-optimierten Website jede Seite auf ein bis zwei Keywords ausgerichtet sein sollte, lässt sich näherungsweise abschätzen, wieviel Traffic ein Keyword gebracht hat.
  • Andere Suchmaschinen: Bing liefert (noch) Keyword-Daten in Bezug auf den organischen Traffic. Aufgrund des geringen Marktanteils der Microsoft-Suchmaschine in Europa, stellt das aber nicht wirklich eine Alternative dar.
  • Logfiles: Eine interessante Frage, die Olivier Andrieu in seinem Blog aufwirft: Kann man selbst in den Logfiles eines Webprojekts keine Referrer-Informationen mehr finden? Hierzu lohnt ein Blick unter die Haube der Google-Suche. Landet ein User auf Google.com wird er sofort auf die gesicherte Version https://google.com weitergeleitet. Klickt ein User dort auf einen Link in den Suchresultaten, landet er über den Umweg einer nicht gesicherten URL (http) schließlich auf der gewünschten Zielseite. Diese nicht gesicherte URL erscheint schließlich auch als Referrer-Information in den Logdateien der besuchten Website. An der Stelle, wo früher der Parameter „q“ für „query“ die gestellte Suchanfrage übergab, klafft nun eine Lücke.

Fazit

Durch „not provided“ wird es Verantwortlichen im Online Marketing bald nicht mehr möglich sein, eine Verbindung zwischen den im SEO anvisierten Keywords und den Conversions einer Seite herzustellen. Da Google diese Daten auch nicht wieder zur Verfügung stellen wird, muss man sich nach Alternativen umsehen.  Die Zeiten, in denen man sich starr nur auf Keywords fokussiert hat, sind vorbei. Das Ziel aller Anstrengungen im Bereich SEO sollte sein, den organischen Traffic insgesamt zu erhöhen – mit welchen Mitteln auch immer.

Bild oben: © olly – Fotolia.com

Screenshot: http://www.notprovidedcount.com/