Die OSG auf der SMX München 2015 – die neuesten Trends im Online-Marketing (Liveblogging)

SMX München 2015Vor wenigen Stunden hat die SMX München 2015 ihre Pforten geöffnet. Auch die OSG als Sponsor der diesjährigen Suchmaschinenmarketing-Konferenz ist mit einigen Mitarbeitern vor Ort, um live im OSG-Blog über die neuesten Trends im SEO und SEA zu berichten. Mit der wieder einmal fulminanten Keynote von Moz-Gründer Rand Fishkin startete die Konferenz um 9 Uhr. Lesen Sie hier heute den ganzen Tag über, was sich im Online-Marketing in Zukunft ändern wird. Der Beitrag wird kontinuierlich erweitert.

In der Session „SEO = Search Experience Optimization“ verkündete der Chef des Toolanbieters Searchmetrics, Marcus Tober, dass aus Search Engine Optimization (SEO) künftig Search Experience Optimization werde. Es gelte, den User und nicht allein Maschinen zufriedenzustellen.

Er betonte die Bedeutung des Google Hummingbird-Updates für die Qualität der Suchergebnisse. Optimierte man früher eine Webseite genau auf ein Keyword, könne diese mittlerweile auf mehrere Schlüsselwörter hin optimiert werden. Als Beispiel nannte er Webseiten, die im sog. „Infinite Scroll“ angelegt sind und Content via Storytelling betreiben. Um zu zeigen, wie schlau Google mittlerweile geworden ist, googelte Tober vor den Besuchern drei sehr ähnliche Keywords. Anhand eines Vergleichs der Suchresultate zwischen diesem und letztem Jahr demonstrierte er, dass sich die Suchresultate dank des Hummingbird-Updates heute stark ähnelten, da Google die Suchintention zwischen den drei Keywords mittlerweile „gelernt“ habe.

Das Learning aus diesem Vortrag? Bei der Contenterstellung geht es künftig weg von der reinen Keywordbetrachtung hin zur Beantwortung eines realen Problems, das die Nutzer auch wirklich bewegt. Durch diese Entwicklung wird irrelevanter und dünner Content nach und nach aus den Suchmaschinen verschwinden. Lediglich Texte, Bilder usw., die dem Nutzer Mehrwert bieten, werden bleiben. O-Ton Tober: „Hört auf, das Internet zu verstopfen!“

Marcus Tober - SEO Session SMX München 2015

In Zukunft werde außerdem die Bedeutung von Backlinks für das Ranking weiter abnehmen und irgendwann ganz verschwinden. Wenn Google den Inhalt des Contents und den Mehrwert komplett verstehe, brauche die Suchmaschine keine Links mehr, um die passenden Ergebnisse anzuzeigen.

Im SoLoMo-Track referierte Robert Seeger, Co-Founder und Präsident von FMX World, über „Realtime Events“ im Online-Marketing. Sein Credo: „Es ist besser, erster zu sein als besser zu sein.“ Trends würden heute vor allem auf Tumblr und Instagram entstehen.

SMX 2015 München - SEA Track AdWords Scripts

Vor der Mittagspause erfuhr man zudem von Russell Savage und Evert Veldhuijzen im SEA-Track, dass AdWords mit API und Scripts so viel mehr für Online-Marketer bietet. So kann die API genutzt werden, um eine Verknüpfung zu Projektmanagement-Tools herzustellen (z. B. Jira). So lassen sich auf Basis selbst festgelegter KPIs Informationen an den Account-Manager verschicken. Zudem könnten AdWords-Gebote mit Fremddaten wie Wetter, TV-Programmen verknüpft werden und so automatische Gebotsanpassungen vorgenommen werden. Mithilfe von Scripts (www.freeadwordsscripts.com) ließen sich AdWords-Prozesse automatisieren, z. B. um kaputte URLs oder 404-Seiten zu finden.

Wie man wertvolle Einblicke zum Wettbewerb gewinnen kann, um daraus eigene Erfolgsstrategien abzuleiten, verrieten Gero Wenderholm (www.wenderholm.de)und Philipp Klöckner nach der Mittagspause in der Session „Immer die Nase vorn: Wettbewerbsbeobachtung für SEOs“. Gleich zu Beginn wiesen die beiden auf einen großen Fehler hin, den nicht wenige Website-Betreiber bei der Konkurrenzauswahl machen würden. Die Konkurrenten in der Offline-Welt sind nicht immer auch die Konkurrenten online. Außerdem müsse man auch auf das gleiche Geschäftsfeld und Sortiment/Angebot achten und Konkurrenten auf Augenhöhe nehmen.

Wichtig sei es, alle internen Quellen anzuzapfen, um an die benötigten Daten zu kommen, insbesondere bei der Keywordanalyse (z. B. SEA-Daten, Vertriebsdaten, Kundenanfragen etc.). Um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden, empfahlen die beiden, die Konkurrenz stets im Blick zu behalten. Denn wenn diese erst einmal einen Sichtbarkeitssprung hinlegen würden, sei es meistens schon zu spät. Man sollte direkt erkennen können, wenn der Wettbewerber eine neue Strategie fährt oder ein neues Projekt startet. Hilfreich dabei seien Alerts sowie eine kontinuierliche Beobachtung der Unternehmensinfos, zum Beispiel via Facebook oder Twitter. Hier geht’s zu den Vortragsfolien auf Slideshare.

Tipps zum Umstieg auf HTTPS

Im August 2014 hat Google bekanntgegeben, dass die HTTPS-Verschlüsselung von Webseiten als Rankingsignal gewertet wird. Viele Webmaster fragen sich seitdem, ob sie mit ihrer Website auf HTTPS umsteigen sollten. Alexander Merkel von „Online Strategy Consulting“, der in dieser Thematik aufgrund eines Projekts mit Mercedes Benz die nötige praktische Erfahrung mitbrachte, gab in seinem Vortrag einige Tipps zum suchmaschinenfreundlichen Umstieg:

  • Entscheiden Sie sich für eine Website-Variante, entweder HTTP oder HTTPS.
  • Leiten Sie alle Inhalte anschließend per 301-Weiterleitung auf die entsprechende Variante.
  • Setzen Sie das Canonical-Tag auf die bevorzugte Variante.
  • Auch robots.txt und Sitemap.xml sind entsprechend anzupassen.
  • Tragen Sie immer beide Varianten in die Google Webmaster-Tools ein.
  • Verfolgen Sie den Indexierungsstatus genau, um Auskunft darüber zu erhalten, ob Google den Vorgaben folgt und die bevorzugte Variante indexiert.

Ergänzend hierzu der OSG-Blogartikel: Rankingfaktor HTTPS: So vermeiden Sie SEO-Fallstricke bei der Umstellung.

Markenführung 2020 - Holl - SMX 2015

Über Markenbildung 2020 ging es in der Keynote von Alexander Holl. Laut dem Suchmaschinenspezialisten löst eine Marke beim Menschen eine Emotion aus. Markenbildung werde von folgenden Begriffen geprägt: „Innovation“ und „Kontinuität“. Daraus entstehe „Kontinovation“. In Zukunft benötige man Werbemaßnahmen auf allen Kanälen, wofür eine ganzheitliche Strategie erstellt  werden müsse, um den eigenen Slogan klar rüberzubringen.

Andre Morys SMX München 2015

Im Suchmaschinenmarketing wird oft aufgrund von Zahlen entschieden, was gut funktioniert und was nicht. In seiner SEA-Session („45% Conversion Uplift für AdWords-Kampagnen: mit Neuromarketing vom „was“ funktioniert zum „warum“ es funktioniert“) ließ sich André Morys aber von der Frage leiten, warum eine Kampagne gut funktioniert. Zusammen mit Morys unternahmen die Teilnehmer einen kleinen Ausflug in die Entscheidungszentrale im Kopf eines potenziellen Kunden. Dieser sei von den vielen USPs in den SERPs überfordert, da das Gehirn nicht alle Informationen verabeiten könne („Paradox of Choice Effect“). Die Klickentscheidung falle vor allem durch persönliche unterbewuusste Gedanken. Die Frage, die ein Nutzer sich stellen würde: „Ist das für Leute wie mich?“ Man könne daher eine höhere Conversionrate erreichen, wenn Anzeigen durch Codewörter und Landingpages durch Wörter, Farben und Bilder emotional auf die Zielgruppe abgestimmt seien.

Linkearning statt Linkbuilding

Dass man auch ohne aktives Linkbuilding gut in den Google-SERPs ranken kann, bewies Dan Petrovic von „Dejan SEO“ in seinem Vortrag. Linkearning laute die Lösung. Der Suchmaschinenexperte setzt auf hochwertigen Content, der ihm ungefähr zehn Links pro Tag einbringt. Petrovic sagte, dass Linkbuilding und Linkbegging nicht mehr gefragt seien, da die Konkurrenz die so gesetzten Links einfach nachbauen könne. Zudem erkenne Google diese Backlinks leicht, da oft kein logischer Zusammenhang bestehe. Man solle also den Fokus weg vom aktiven Linkaufbau hin zum Linkcontrolling lenken, um eingehende Links zu managen.

Vernetzte Realität

Der zweite SMX-Tag begann mit einem „Dialog im Dunkeln“ (der gar nicht im Dunklen stattfand) mit Prof. Dr. Mario Fischer und Prof. Dr. Tobias Aubele über aktuelle Trends im Online-Marketing und die Google-Bilderkennung. Anschließend folgte die Keynote von Behshad Behzadi von Google, in der dieser demonstrierte, wie fortgeschritten die Google-Sprachsuche mittlerweile ist. Sie versteht sogar natürlich-sprachlich formulierte Fragen und liefert dazu die passenden Antworten. Das oberste Ziel Googles sei es, „to build the ultimate assistant for a user“.

Sebastian Grebasch zeigte in der Session „Suchen und Finden: Marketing im Zeitalter des „Internet of Things“, dass die existierenden Gegenstände sich im Alltag immer mehr vernetzen. Physische Gegenstände werden zu sozialen „Dingen“, die miteinander kommunizieren können. Die Folge: In Zukunft erhält man immer mehr Antworten auf relevante Fragen, ohne dass diese überhaupt gestellt werden müssen. Als Herausforderungen dieses neuen Trends nannte er den Datenschutz, die Bewältigung riesiger Datenmengen, kontextuelles One-to-One-Marketing und dass es noch keine standardisierten Plattformen gibt.

SMX München 2015 Foyer

Zum Abschluss der zweitägigen Konferenz referierten Gesa Schramme und Matthias Cada zum Thema „Attribution: Entwicklung von analysebasierten Modellen zur Media-Optimierung“. Hierbei ging es um die Cross-Channel-Betrachtung über die gesamte User-Journey. Beide empfahlen, die Attribution der Conversions individuell zuzuordnen, um das Media-Budget effizienter einzusetzen und die Performance zu steigern.