Semantic Search: Die Zukunft der Websuche

Semantische SucheDas Internet verändert unser Leben – und unsere Nutzung des Internets verändert wiederum das Internet selbst und viele Internettechnologien. In den letzten Jahren hat sich das Suchverhalten der User im Internet radikal verändert. Das hat wiederum dazu geführt, dass sich mittlerweile auch die Arbeitsweise der Suchmaschinen diesem geänderten Suchverhalten der User angepasst haben – allen voran Google, mit seinem Update „Hummingbird“. Wie Menschen heute in Suchmaschinen suchen, wie Google darauf reagiert, und was das vor allem für Webseitenbetreiber bedeutet, soll in diesem Beitrag deshalb einmal näher beleuchtet werden.

Suchabfragen früher und heute

Das Internet ist uns vertraut geworden – ein unverzichtbarer Partner, mit dem wir uns von verschiedensten Geräten aus praktisch „auf Du und Du“ unterhalten. Waren Suchabfragen früher in der Hauptsache auf einzelne Worte beschränkt, definieren wir heute ganz genau, was wir wissen oder finden wollen. Suchabfragen sind heute spezifischer, zielgerichteter geworden und sind präzise formuliert. Wir suchen nicht mehr nach „Urlaub Hawaii“ sondern nach Dingen wie „Urlaub Hawaii Erlebnisurlaub Surfen günstig“oder Dinge wie „Wo ist das nächste Schwimmbad?“ Das hat Auswirkungen für die Suchmaschine, die ja ein möglichst exaktes Ergebnis liefern will, und für Webseitenbetreiber, die ja möglichst weit vorne gefunden werden wollen.

Die Lösung der Suchmaschine

Google hat sich dieses Problems angenommen, indem mit dem „Hummingbird“ genannten Update der Suchalgorithmus von Grund auf erneuert und konsequent in Richtung Semantic Search getrimmt wurde. Semantic Search bedeutet in etwa so viel wie „Suche im Wortzusammenhang“ – die Suchmaschine ist also in der Lage, den Kontext unserer Suche zu „verstehen“ und zu erkennen, welche Suchabsicht der User verfolgt. Das Ende dieser Entwicklung im Bereich der Semantic Search ist dabei noch lange nicht erreicht – und auch die Technologie ist noch lange nicht so ausgereift, wie wir das vielleicht manchmal gerne hätten. Wir werden in Zukunft immer „natürlicher“ mit unseren Suchmaschinen sprechen, und sie werden uns in Zukunft immer besser verstehen. Auch die „Assistenten“ auf unseren Smartphones – wie Siri und Co. – sind ein wesentlicher Motor dieser Entwicklung in Richtung einer Semantic Search Technologie für Suchmaschinen.

Für Suchmaschinenbetreiber bedeutet Semantic Search eine gewaltige Herausforderung: Im oben genannten Beispiel muss die Suchmaschine erkennen, dass „Wo ist…“ einen Google-Maps Eintrag verlangt, „das nächste“ bedeutet, von unserem derzeitigen Standort aus die kleinste Entfernung als Kriterium hat, und eigentlich nach „Schwimmbad“ gesucht werden soll. Erstaunlich ist, dass Google solche Herausforderungen sogar mit Leichtigkeit bewältigen kann. Eine Eingabe, die lautet „Wo ist ein Schwimmbad in meiner Nähe“ wird von Google durch die ausgefeilte Semantic Search Technologie völlig gleich interpretiert und liefert die selben Ergebnisse. Eigentlich erstaunlich.

Auswirkungen für Webseitenbetreiber

Um die eigene Webseite zu optimieren, sind einzelne Keywords längst nicht mehr State-of-the-Art. Ganz einfach deshalb, weil User danach nicht mehr suchen. Wer heute seine Seite optimieren will, muss vor allem die Longtail-Keywords kennen, und den Kontext, in dem User suchen. Als Webseitenbetreiber müssen Sie sich an die Technologie der Semantic Search anpassen. Das Ganze ist also um ein Vielfaches komplexer geworden als früher – und fehleranfälliger. Während man früher bei einem Fliesenhandel im Web gut damit bedient war, einfach die Seite auf „Fliesen kaufen“ hin zu optimieren, und vielleicht auf ein, zwei Spezialprodukte, ist das heute so nur noch bedingt zielführend.

Man muss den sogenannten „User-Intent“ kennen: also die Absicht, mit der User auf die Seite kommen, und das, wonach sie genau suchen. Die alte Maxime „Kenne deine Kunden“ wird in Zukunft also immer wichtiger. Darüber hinaus muss man ein wenig Gespür dafür mitbringen, wie User ihre Suchabfragen formulieren, welche Worte sie dafür benutzen, welchen Stellenwert lokale Suchen (Suchen im Umkreis des Users) haben – und in welchem Kontext User suchen. Für den Fliesenhändler kann gut sein, dass die wichtigste Suchabfrage nun plötzlich lautet: „Feinsteinzeug Bodenfliesen (Großformat) günstig“.

Da das die Aufgabe der Optimierung ungleich komplexer werden lässt, ist man gut beraten, sich dabei an Profis zu halten, die genügend Erfahrung in diesem Bereich mitbringen, und die Usersprache gut kennen. Selbstversuche werden in Zukunft wohl nicht nur schwieriger, sondern auch weniger erfolgreich sein.

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