Anonymes Google Analytics – sollten Webmaster jetzt handeln?

Gerade einmal ein paar Tage alt ist die Meldung, dass Google ein Plugin für den Firefox-Browser veröffentlicht hat, mit dem die Benutzer das Tracking von Google Analytics komplett deaktivieren und somit anonym bleiben können. Weit weniger Beachtung in den Medien fand dabei jedoch erstaunlicherweise die Tatsache, dass Google zeitgleich eine Möglichkeit veröffentlicht hat, wie Seitenbetreiber schon direkt im Tracking eine Anonymisierung aller Besucher durchführen können.

Sieht man sich nämlich den aktuellen Marktanteil des Firefox Browsers von nur rund 25% an, erkennt man schnell, dass das Plugin für diesen Browser nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann. Drei Viertel aller Surfer sind mit anderen Browsern unterwegs und werden daher nach wie vor komplett getrackt. Kein Wunder also, dass aus Kreisen der Datenschützer noch keine Lobeshymnen zu vernehmen waren.

Deswegen ist wohl genau jetzt der richtige Zeitpunkt, als Seitenbetreiber zügig die generelle Anonymisierung zu aktivieren und damit ein Zeichen zu setzen.

Analytics Anonymisierung – Der Code

Technisch gesehen gestaltet sich der Einbau nämlich als wirklich einfach. Man muss nur den Tracking-Code um eine einzige Zeile erweitern:

var pageTracker = _gat._getTracker("UA-XXXXX-X");
_gat._anonymizeIp();
pageTracker._trackPageview();

(Danke an dieser Stelle übrigens an Moritz Habermann von Blogzwonull, der wohl als erstes über die tatsächliche Implementierung bloggte – zumindest war er der erste in meinem Feedreader)

Wie man diesem Beispiel ansieht, funktioniert das Ganze im Moment allerdings nur für den alten, synchronen Tracking-Code. Wann auch Nutzer des neuen, asynchronen Codes diese Methode benutzen können, steht derzeit leider noch in den Sternen bzw. in den ToDo-Listen der Google Ingenieure. Genauso kann diese Methode nicht mit den ganz alten, mit urchin.js arbeitenden Trackings verwendet werden – allerdings ist solchen Webmastern sowieso anzuraten, diesen langsam mal durch die neuere Variante zu ersetzen.

Analytics Anonymisierung – Die Nachteile?

Genereller Nachteil dieser Methode ist natürlich, dass man den Besucher nicht mehr auf ein paar Kilometer genau orten kann, sondern nur noch anhand der nächstgelegenen, großen Stadt. Was zugegebenerweise besonders im Zusammenspiel mit SEM eine durchaus interessante Information sein kann, um Kampagnen entsprechend regional auszusteuern. In der Praxis sind mir in den letzten 7 1/2 Jahren allerdings nur zwei Fälle bekannt geworden, in denen eine AdWords-Kampagnenstruktur tatsächlich so fein bis auf Landkreis-Ebene gerastert war und auch Sinn machte.

In 99,9% der Fälle dürfte die Anonymisierung also keinerlei negative Auswirkung auf die Auswertbarkeit mit Google Analytics haben. Denn mal ehrlich – uns Webmaster interessiert ja wirklich nicht, ob nun Lieschen Müller oder Heinz Mustermann über dieses und jenes Keyword gekommen ist und wo genau die beiden wohnen. So lange wir wissen, welches Keyword ein Besucher benutzt hat, welchem Segment er angehört und ob er konvertierte, können wir alle Schlussfolgerungen ziehen, die wir für unsere Arbeit brauchen. Wäre das zu wenig, könnten wir ja auch mit denjenigen großen Web-Analyse-Suites nichts anfangen, die schon immer anonymisieren und die ansonsten ja auch nicht so populär geworden wären.

Analytics Anonymisierung – jetzt oder nie?

Nicht zuletzt wegen der unklaren juristischen Frage, ob der Einsatz von Google Analytics ohne Anonymisierung tatsächlich datenschutzrechtlich bedenklich ist oder nicht, ist Website-Betreibern auf jeden Fall zu raten, bald über den Wechsel zur Anonymiserung nachzudenken. Bisher gab es keine Möglichkeit, diese Userdaten nicht zu erheben, weshalb man vermuten kann, dass es auch nur deswegen noch nicht zu Abmahnwellen gekommen ist. Da jetzt aber die einfache Möglichkeit besteht, jederzeit ein „sauberes“ Tracking auch mit Google Analytics zu betreiben, sollte man diese auch nutzen. Nicht nur, um kein Risiko einer möglichen Abmahnung einzugehen, sondern auch, um das Vertrauen bei den Besuchern zu stärken.