Twitter mausert sich

Gestern brachte Twitter eine News in Umlauf, die innerhalb kürzester Zeit mit hunderten von Retweets ein regelrechtes Lauffeuer im Twitterverse auslöste: ein großer Relaunch von twitter.com steht an! Begonnen hat es mit diesem Tweet https://twitter.com/twitter/status/24521660546. Darin verweist Twitter auf eine eigens eingerichtete Spezial-Promotionseite, die eine kleine Vorschau inkl. Promo-Video auf die zu erwartenden Änderungen gibt: http://twitter.com/newtwitter.

Im letzten Jahr hatte das Twitter-Team vor allem an vielen Detailverbesserungen gearbeitet wie z.B. dem erst jüngst in der rechten Spalte eingeführten Follow-Vorschlägen („Who to follow“), mehr Stabilität der Plattform, Erweiterungen der API, optionales Geotagging von Tweets usw. Die nun geplante Änderung dürfte jedoch von größerer Tragweite sein, da sie das Look & Feel des Webinterfaces stärker verändert. Dabei fällt auf: der Vogel mausert sich immer mehr von einem ursprünglich text- und listenorientierten Microblogging-Dienst zu einer multimedialen Kommunikationsplattform.

Was ändert sich?
Neben einigen Ergänzungen in der öffentlichen Zeitlinie (Public timeline oder kurz PT) auf der linken Seite ist vor allem die große Detailansicht auf der rechten Seite neu. Die bisherige schmale rechte Spalte, die mehr den Charakter einer einfachen Linkliste hatte, wird demnach komplett durch die wesentlich breitere Detailansicht ersetzt.
Sie wird über mindestens zwei Ansichten verfügen:
klickt man in einen Tweet auf der linken Seite, wird rechts ohne neuen Seitenaufbau (per AJAX) in Slide-in-Manier dazu eine Fülle an Infos angezeigt:
für die Einblendung der entsprechenden Profildaten und zusätzlichen Twittertrends gibt es in Zukunft viel mehr Platz.
Ein Klick auf den Twitter-Alias im Tweet blendet rechts nicht nur weitere Profildaten ein, sie zeigt auch die jüngsten Tweets des Teilnehmers an. Man muss also nicht mehr seine Zeitlinie verlassen und in das Profil desjenigen wechseln. Überhaupt wird Twitter immer mehr zu einer Ein-Seiten-Applikation mit contextsensitiver dynamischer Detailansicht.  Alles spielt sich in einem Fenster ab.

Was zusätzlich einer kleinen Revolution bei Twitter gleichkommt: endlich werden die in den Tweets per Link auf Fremdanbieter eingebetteten multimedialen Inhalte direkt auf Twitter angezeigt! Bisher musste man auf diese Links klicken, um z.B. das verlinkte Video auf YouTube in einem neuen Browserfenster ansehen zu können. Dass dabei jeder Link wieder in einem eigenen neuen Browserfenster aufgeht und sich dadurch schnell dutzende von Fenstern öffnen, war eher störend und umständlich. Oder man hat Spezial-Browserplugins (z.B. Powertwitter für Firefox) installiert, die die Timeline so verändern, dass verlinkte Inhalte direkt im Tweet (links) eingeblendet werden. Die direkte Einbettung externer Inhalte bringt hier einen großen Fortschritt. Bei verlinkten Websites wird man aber weiterhin den Link in einem neuen Fenster öffnen müssen.

Auswirkungen?
Zweifelsohne steigert das neue dynamischere und multimedia-fähige Webinterface die Usability: die „Twitter-Experience“ wird noch interaktiver und wohl für viele auch attraktiver. Dem Wachstum von Twitter dürfte das einen weiteren Schub geben, auch wenn laut Ankündigung das neue Interface erst über mehrere Wochen hinweg langsam eingeführt wird. Manches Plugin oder externe Tool wird durch die Erweiterungen überflüssig werden oder eben mit der Entwicklung Schritt halten müssen, um überhaupt noch eine Existzenzberechtigung zu haben (siehe z.B. Powertwitter).

Interessant für SEO- und SEM -Kampagnen und -Maßnahmen ist, dass dem User das Anschauen von Multimedia-Inhalten (Bilder, Videos etc.) direkt bei Twitter wesentlich erleichtert und damit eben auch schmackhafter gemacht wird. Der eigentliche Sinn, die zeichenbeschränkten kurzen Tweets mit interessanten Links anzureichen und Tweets somit als Promo-Teaser einzusetzen, wird durch die neue Technologie erst richtig erfüllt! Damit nähert sich Twitter in gewisser auch der Pinnwand im Facebook-Profil an, was vermutlich auch nicht ganz unbeabsichtigt ist. Für Firmen und Organisationen wird mit dem bevorstehenden Relaunch Twitter noch attraktiver und zielführender werden, besonders dann, wenn die eigenen Tweets mit multimedialen Inhalten angereichert werden.

Natürlich  ist zu erwarten, dass die neue Detailansicht in Zukunft mit noch mehr interessanten Features ausgestattet werden wird. Wem’s nicht gefällt: Twitter zufolge soll zumindest in der Übergangsphase („Preview“) jeder User die Möglichkeit haben, in seinen Profileinstellungen das neue Interface zu deaktivieren.

Mehr über den Relaunch: http://blog.twitter.com/