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70% mehr Besucher durch geringere Ladezeiten

Erstaunlich, dass zwar schon lange bekannt ist, dass Google die Ladezeit einer Seite in das Ranking einfließen lässt und die SEO-Gemeinde (inklusive mir selbst) seitdem bei jedem Projekt predigt, man solle unbedingt ein Auge darauf haben – dass es aber bis dato keine wirklichen Zahlen und Grafiken dazu gibt, die man in die Argumentation einfließen lassen kann. Dementsprechend habe wohl nicht nur ich in den Projekten oft zu hören bekommen, dass man das zwar auf dem Radar habe, aber da der Nutzen ja ungewiss sei, stünde das in der Priorität ziemlich hinten an.

Höchste Zeit also, einfach mal einen solchen Test durchzuführen – und über das Ergebnis überrascht zu sein!

Die Testsituation

Als Objekt für den Test wählte ich einen meiner eigenen WordPress-Blogs, in dem ich lange nicht mehr geschrieben habe und in dem es rund um gesundes Essen, Bio-Lebensmittel, Rezepte und allgemein LOHAS-Themen geht. Bis zum Beginn des Tests bekam dieser Blog schon vernünftigen Traffic im Bereich von 100 bis 150 Besuchern am Tag, was hauptsächlich den sehr guten Platzierungen für ein paar wenige Keywords bzw. Variationen davon zu verdanken war. Für einen reinen Hobby-Blog also durchaus schon nicht schlecht.

Am 4. Januar diesen Jahres investierte ich dann etwa eine Stunde in die Installation eines ziemlich heftigen Cache-Plugins. Mit Hilfe des Apache Benchmark Tools ab konnte ich eine unglaubliche Performance-Steigerung messen. Bediente mein Server bis dahin nur knapp 3 Anfragen pro Sekunde, schnellte diese Zahl nach dem Feintuning des Caches auf atemberaubende 1.980 Anfragen pro Sekunde hoch. Und brauchte das Laden der Seite vormals fast 15 Sekunden bis zum „onLoad“-Event, ist dieser Punkt inzwischen schon nach knapp 4 Sekunden erreicht. Rundum also eine wirklich spürbare Steigerung.

Um die Messung nicht zu verfälschen, wurde sonst nichts am Blog verändert. Ich habe vor dem Tuning lange Zeit keinen Artikel veröffentlicht, so dass sich die Besucherzahlen nicht aufgrund hinterherhinkenden Rankings für alte Einträge verändern konnten. Seit dem Tuning ist auch nur ein einziger Beitrag hinzugekommen, der jedoch definitiv nicht rankt, sich nicht um die sonst im Blog üblichen Themen dreht und daher auch keine nennenswerte Auswirkung auf den Traffic von Suchmaschinen sowie die sonstigen Rankings des Blogs haben kann.

Das Ergebnis

Nachdem nun die Daten für vier Wochen vorliegen, kann wohl mit hinreichender Sicherheit von einem zuverlässigen Ergebnis gesprochen werden. Und hier sagt ein Bild wohl mehr als tausend Worte (Klick zum vergrößern):

Man sieht deutlich, dass Google erst mitbekommen muss, dass diese Seite jetzt deutlich schneller ist, aber von da an steigt der Traffic wirklich spürbar. Insgesamt fast 70% mehr Besucher durch organische Suchergebnisse sind ein deutliches Bild.

Auch die durchschnittliche Besuchszeit hat sich um über 30% verbessert. Natürlich: aus Usability-Sicht macht eine schnell ladende Seite auch deutlich mehr Spaß. Sogar die Absprungrate hat sich leicht verbessert, auch wenn im Gegenzug die Anzahl der Seiten pro Besucher ein wenig zurückgegangen ist. Wobei diese beiden Zahlen dadurch zu erklären sind, dass die Zielseiten bestmöglichst auf die trafficstärksten Suchbegriffe ausgerichtet wurden und somit jeder Besucher auf Anhieb das findet, was er sucht.

Sehr interessant ist auch die Auswirkung auf die weiterführenden, externen Links, die in den drei Top-Artikeln existieren und die über Events in Analytics mitgetrackt werden.
Mehr als doppelt so viele Besucher haben auf diese Links in den Artikeln geklickt. Mein Affiliate-Konto bei amazon freut sich natürlich entsprechend (*hüstel*). Und auch die Zahl der Downloads eines Übersichts-PDFs, das ich in einem Artikel anbiete, ist um 20% gestiegen.

Natürlich soll auch die Auswirkung auf die Anzeige in den Suchergebnissen nicht unbeachtet bleiben. Laut den Google Webmaster Tools erreicht diese Website inzwischen 50% mehr Impressions und 57% mehr Clicks (wobei andernorts schon genügend über die Abweichung dieser Klickzahlen von den Besucherzahlen in Analytics diskutiert wurde):

Und zu guter letzt noch ein kurzer Blick in die Entwicklung der Top-Suchbegriffe:

Gerade für den Top-Suchbegriff (der übrigens wie alle anderen zwar eine gewisse Saisonalität aufweist, die zwei Monate Daten aber durchweg im Hoch liegen – im Winter wird offenbar deutlich mehr zu Hause gekocht) ist schön zu sehen, wie er bis zum 15. Januar auf den Plätzen 6-10 gerankt wurde, wo er zwar Impressions, aber keine Klicks generierte – dann aber auf Platz 3 und inzwischen sogar Platz 2 vorgerückt wurde und die Klicks deutlich zunahmen:

Das gleiche Bild – wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau – zeigt sich übrigens bei einem weiteren meiner Blogs. Dort habe ich zu Kontrollzwecken zeitgleich die selben Maßnahmen vorgenommen und auch dort sind die Auswirkungen auf die Platzierungen und die Besucher absolut vergleichbar.

Fazit

Die Seitenladegeschwindigkeit ist in der Tat ein spürbarer Ranking-Faktor und die hier gezeigten Erfolge sollten also Grund genug sein, den oftmals vorhandenen Zweifel an der Effektivität geschwindigkeitssteigernder Maßnahmen zu beseitigen. Der Effekt dürfte bei Websites, die sowieso schon schnell sind, zwar in der Tat wie von Matt Cutts vorhergesagt nur noch gering sein und wenig Einfluss auf die Platzierungen haben, aber wer seine Website mit Standard-Systemen wie WordPress, Typo3, Joomla, OsCommerce/XTCommerce, Magento und sonstigen Out-Of-The-Box-Lösungen betreibt, der sollte tunlichst nach jeder sich bietenden Optimierungsmöglichkeit Ausschau halten. Denn oftmals sind wie hier mit nur einer einzigen Stunde Aufwand Erfolge zu erzielen, die mit anderen SEO-Maßnahmen wie dem Linkaufbau wohl eher Aufwand im Bereich von dutzenden Stunden benötigen.

Gleichzeitig unterstreichen diese Zahlen aber auch einmal mehr, dass High-End-SEO weit jenseits von H1-Tags, Seitentiteln, Meta-Descriptions und Linkaufbau ansetzt und hierfür definitiv tiefgreifendes, technisches Know-How benötigt wird. Im gezeigten Beispiel wurde zwar ein Plugin verwendet, das prinzipiell auch ohne das Wissen um PHP-Code, Server-Konfiguration und dergleichen zum Erfolg führt, allerdings ist das eben auch nur dort möglich, wo solche Plugins und Add-Ons existieren, wohingegen bei vielen Systemen noch selbst Hand angelegt werden muss. Diese Feldstudie wird daher auch Teil meines Vortrags beim Solutions Day sein – genauso wie noch ein paar weitere „Schmankerl“, die ich aber noch nicht verraten möchte…

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