In-depth Articles: Google hebt Artikel mit Tiefgang in den SERPs hervor

Tiefgang Schiff

Hintergrund-Artikel, die eine Person, eine Organisation oder ein breit angelegtes Thema tiefgründig und aus verschiedenen Blickwinkeln behandeln, werden von Google künftig möglicherweise mit einer prominenten Platzierung in den SERPs belohnt. Die Suchmaschine hat gestern auf dem Inside Search-Blog ein neues Feature für den englischsprachigen Suchmarkt vorgestellt, das bei gewissen Suchanfragen Links zu hochwertigen Inhalten mit Tiefgang besonders hervorheben soll – was den entsprechenden Seiten einen großen Besucherstrom garantieren dürfte.

Ein Zehntel der Suchanfragen verlangt nach ausführlicheren Informationen

Motiviert wurde die Einführung dieser neuen Ergebnisart nach Aussage von Google-Techniker Pandu Nayak durch eigene Studien, die zu der Erkenntnis gelangen, dass bei ungefähr 10 % der täglich auf Google gestellten Suchanfragen eine intensivere inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Thema gewünscht wird. Als Beispiele werden sowohl ernstere Themen wie „censorship“ (Zensur),  „population growth“ (Bevölkerungswachstum), oder „e-waste“ (Elektroabfall) genannt, aber auch Begriffe aus dem Freizeitbereich wie „Lego“ oder „Taylor Swift“. Hierzu dürften die meisten in der Vergangenheit vornehmlich die Wikipedia konsultiert haben, die meines Erachtens zu den Verlierern dieser Neuerung zählt.

Auch das Wort „Prism“, das für das gigantische Programm des US-Geheimdienstes zur Überwachung und Auswertung von elektronischen Medien und elektronisch gespeicherten Daten steht, wäre so ein Kandidat für einen „in-depth article“, der ein besonderes Informationsbedürfnis befriedigt. Was ist Prism? Was ist die NSA? Welche Rolle spielt Edward Snowden bei der Aufklärung? Was hat die deutsche Regierung mit der Angelegenheit zu tun?

Durch das neue Feature soll der Suchende tiefer in ein Thema einsteigen und neue Dinge erfahren. Die infrage kommenden Artikel bieten dabei mehr als nur die Standard-Fakten und besitzen länger GültigkeitSomit haben auch ältere Beiträge die Chance, zu einem Thema auch noch nach Jahren eine prominente Platzierung zu erfahren und nicht durch aktuelle Beiträge verdrängt zu werden. Nach Informationen des Searchengineland-Blogs, der sich auf Google-Kreise beruft, sollen drei Artikel in der Mitte der Seite mit den organischen Ergebnissen  erscheinen.

In-depth articles Google

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Begrenzung auf drei ausgewählte Artikel dürfte noch die Kritiker auf den Plan rufen, insbesondere bei kontroversen Begriffen wie Todesstrafe, Abtreibung oder Syrien.

Nicht nur große Zeitungen profitieren

Laut Google werden diese Artikel algorithmisch unter Berücksichtigung einer Vielzahl an Signalen, die Artikel mit Tiefgang identifizieren, in eine Reihenfolge gebracht. Welche Signale das sind, darüber kann nur spekuliert werden, wie z. B. Länge des Artikels, Veröffentlichungsdatum etc. Die ermittelten „in-depth articles“ zu einem Thema sollen sich aber, einmal ermittelt, nicht mehr großartig ändern.

Nicht  nur große Zeitungen oder angesehene Top-Publikationen sollen von der Neuerung profitieren. Theoretisch haben auch kleine Lokal-Zeitungen und Blogs die Chance, mit ihren Artikeln hervorgehoben zu werden (z. B. bei Themen mit lokalem Bezug). Aber klar ist natürlich auch, dass gewisse Medien, die nicht nur über deutlich mehr Ressourcen verfügen, bei Google einen Vertrauensvorsprung genießen. Bei den bisher bekannten Screenshots aus dem englischsprachigen Raum sind hauptsächlich bekannte Medien abgebildet.

Voraussetzungen für einen „in-depth article“

Trotz allem: Welche Voraussetzungen sollte man erfüllen, um für Google überhaupt als „in-depth article“ in Frage zu kommen?

  • Einsatz von Authorship-Markup für Personen (bzw. Logos für Firmen). Wie man Authorship-Markup auf den eigenen Seiten einsetzt, wird in diesem Blogbeitrag erklärt.
  • Integrieren von schema.org auf Artikelseiten. Durch die Auszeichnung von Content mit „article“-Markup, liefert man Google semantische Informationen zu einem verfassten Beitrag mit und erleichtert so das Auslesen des Quellcodes für den Googlebot. Getestet werden kann das Ganze dann über das Test-Tool für strukturierte Daten. Bei der Generierung von schema.org-Code hilft übrigens der Schema Creator. So sieht übrigens ein per schema.org ausgezeichneter Artikel im Quelltext aus (schematisch):
schema.org article Markup
  • Verwendung von rel=next und rel=prev. Wie man die Paginierung bei aufgeteilten Beiträgen korrekt umsetzt, erklärt Google hier.
  • Verfassen ansprechender Artikel mit Tiefgang.

Hier noch detailliertere Infos von Google zu den genannten Anforderungen: https://support.google.com/webmasters/answer/3280182

Fazit

Während Google mit dem Knowledge Graph die Suchenden auf den eigenen Seiten halten möchte, geht man bei bei dem neuen „in-depth article“-Feature nun den umgekehrten Weg und hebt Links in den Suchergebnissen hervor, die dadurch einen deutlichen Traffic-Zuwachs erzielen sollten, wie der US-Tech-Blog TechCrunch bemerkte.

Google Knowledge Graph

Man darf gespannt sein, ob das neue Feature auch in den deutschen Suchergebnissen auftauchen wird. Denn schließlich erinnert die neue Box mit den hervorgehobenen Suchergebnissen inklusive Bilder-Snippets doch ein wenig an die integrierten Google News-Ergebnisse. Und da hatte Google ja bekanntlich (Stichwort: Leistungsschutzrecht) eine jahrelange Auseinandersetzung mit den deutschen Verlagen, um kleine Anreißer-Texte von Zeitungsbeiträgen überhaupt kostenfrei in den SERPs anzeigen zu dürfen.

Sollte die Neuerung allerdings auch hier live gehen, kann aus SEO-Sicht sicher nur empfohlen werden, den Non Commercial Content-Bereich auf der eigenen Website und dem eigenen Blog auszuweiten (insbesondere wenn man ein Nischen-Thema bearbeitet), fundierte Artikel zu schreiben und Googles Empfehlungen (siehe weiter oben) zu Herzen zu nehmen. Selbst wenn es nicht für eine Hervorhebung in den SERPs reicht: Guter Content zahlt sich auf lange Sicht in jedem Fall aus.

+++Update+++

Die Süddeutsche Zeitung teilt die Meinung der OSG zum Thema „In-Depth Search“:  „Vor dem Hintergrund der Debatte um das Leistungsschutzrecht ist allerdings anzunehmen, dass die Einführung einer solchen Funktion in Deutschland besonders umstritten wäre.“

http://www.sueddeutsche.de/digital/suchmaschine-google-graebt-tiefer-1.1740631

Foto: © Ralf Gosch – Fotolia.com

Screenshot: http://insidesearch.blogspot.de/2013/08/discover-great-in-depth-articles-on.html